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Hwanghae-do Schamanismus
Hwanghae-do Schamanismus
Koreanischer Schamanismus
Koreanischer Schamanismus
Schamanin Lee,Hae-Kyung
Schamanin Lee,Hae-Kyung

Schamanismus in Südkorea

Religion und Kultur in den traditionellen Gesellschaften Asiens sind untrennbar miteinander verwoben.
In fast ganz Asien ist Religion ein bestimmender Faktor des täglichen Lebens und Korea ist diesbezüglich
keine Ausnahme.
In Korea wird besonderen Wert darauf gelegt, dass die Nation aus einer modernen, säkularen Gesellschaft besteht,
die weiterhin ihre buddhistischen, konfuzianischen, christlichen und schamanistischen Traditionen pflegt.
Der koreanische Schamanismus ist zwar ein Außenseiter im Reigen der großen Weltreligionen und Weltanschauungen,
die im modernen Korea friedlich neben- und miteinander existieren (Taoismus, Buddhismus, Christentum,
Konfuzianismus und mittlerweile auch der Islam), doch gleichzeitig ist er ein fester Bestandteil der Kultur.

Im heutigen Südkorea ist der Schamanismus offiziell als Religionsgemeinschaft nicht anerkannt. Er wird lediglich als
genuiner Kulturbesitz und religiöse Praxis von staatlicher Seite unterstützt. Die ästhetische Gestaltung der Zeremonien
und die Überlieferung der mythischen oder legendären Geschichten werden als kulturspezifische, religiöse Ressource
der koreanischen Kultur bewertet und gefördert. Die verhältnismäßig große Zahl von geschätzten 100.000-250.000
Schamaninnen (die weibliche Form des Terminus „Schamane“ wird verwendet, um dem deutlich höheren Anteil der
Schamaninnen (80%-90%) im heutigen Korea gerecht zu werden) gerade auch in der Umgebung von Seoul,
bezeugt die Lebendigkeit dieser Religion und widerlegt die These, das Schamanismus einzig und allein in Jäger- und
Sammlergesellschaften zu finden ist und nicht über das Potential verfügt, in moderneren Gesellschaften eine Rolle
zu spielen.

Die jahrhundertelange, nicht immer unproblematische Koexistenz von anerkannten Religionen und Schamanismus
förderte bei Koreanern offensichtlich einen toleranten und pragmatischen Umgang mit Religion.
Es ist durchaus nicht ungewöhnlich, dass eine Person in einem christlichen Haushalt lebt, buddhistische Tempel besucht
und in Zeiten von Bedrängnis eine Schamanin frequentiert. Gewissenskonflikte entstehen aus dieser Glaubenspraxis nicht.
Für Südkoreaner gilt offensichtlich die Kant'sche Erkenntnis:

„Es ist nur eine Religion, aber es kann vielerlei Arten des Glaubens geben“.

Die in einer Triologie vorgestellten Fotografien sind während zwei Feldforschungsaufenthalten in den
Jahren 2000 und 2002 - 2004 entstanden.